Hessenplan 2.0

In den Trümmern eines zerstörten Europas, lebten in den Jahren nach 1945 ca. 8 Millionen heimatlose Menschen. Der Begriff "heimatlos" ist aus heutiger Sicht allerdings ebenso unpassend wie aus damaliger, denn diese Menschen hatten sehr wohl eine Heimat, sie war aber nach Krieg, Terror, Verfolgung und Vertreibung zerstört, besetzt oder für sie schlicht unerreichbar geworden. Die Alliierten nannten diese Männer, Frauen und Kinder – ohne Ansehung des Grundes ihrer Heimatlosigkeit – "Displaced Persons". Aus der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) wurde in diesen Jahren der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) doch die Menschen, die ohne Hab und Gut durch Europa zogen blieben, was sie waren: Flüchtlinge.

Die Nachkriegszeit war für diese Menschen eine besonders harte Zeit. Für die Mehrzahl von Ihnen, waren diese Jahre voller Entbehrungen und geprägt vom Zwang zur Rechtfertigung der eigenen Existenz. Das Versprechen der freiheitlichen Demokratie auf ein Streben nach Glück, die Aussicht auf gerechte Teilhabe am Wohlstand und ein Leben in Würde, drohte für diese Menschen zur holen Phrase, wenn nicht zur Lüge zu werden.

Der Hessenplan von 1951

Geort August ZinnIm Januar 1951 stellte der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn dann einen ehrgeizigen Plan vor: Das kleine Hessen, bis dahin ländlich geprägt und vom Krieg schwer zerstört, sollte innerhalb von 3 Jahren 100.000 Flüchtlinge integrieren. Auf 200 Hessen kamen fünf Flüchtlinge. Die Menschen sollten nicht nur versorgt werden, sondern eine dauerhafte Perspektive erhalten: Wohnung, Arbeit, Zukunft, Würde. Gemessen an der damaligen Bevölkerung von nicht einmal 4 Mio. Menschen eine unerhört große Zahl und – das sehen wir heute – eine Bereicherung für das Land: die Neubürger gründeten in Hessen Textilunternehmen, Glas- und Musikintrumentmanufakturen.

Aus den Flüchtlingen wurden Nachbarn und der "Hessenplan" wurde so das Glaubensbekenntnis eines weltoffenes Hessen, das – beseelt vom Willen in gegenseitiger Achtung seiner Vielfalt in Einheit zu leben – seine eigene Stärke am Wohl der Schwachen misst.

Eine gute hessische Tradition

Die Initiative Save Me Kassel möchte an diese gute hessische Tradition anknüpfen und sich dafür einsetzen, dass sich die Bundesrepublik – wie bereits andere europäische Staaten, z. B. Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Niederlande, Norwegen und Schweden – bereit erklärt, jedes Jahr ein bestimmtes Kontingent an Flüchtlingen aus dem Resettlementprogramm des UNHCR aufzunehmen. Personen, die über dieses Programm aufgenommen werden sind Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlings Konvention. Sie sollen dauerhaft in Deutschland aufgenommen werden und erhalten sofort einen befristen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen.

sagt ja!

Jeder kann dabei Helfen in der Chonik unseres Landes das nächste Kapitel zu verfassen, indem er die „Save Me“-Kampagne befürwortet und sie mit seinem Namen unterstützt. Interessierte können sich auf dieser Seite als Patin oder Pate eintragen. Patinnen und Paten erklären sich gleichzeitig bereit, die Flüchtlinge bei ihrer Integration hier in Kassel zu unterstützen, indem sie ihnen z. B. die Stadt zeigen oder sie bei Behördengängen begleiten.